Datenreport · Stand 2026-08-02
Die 960-Wp-Grenze: Warum zwei Module an der Schuko-Steckdose schon zu viel sein können
Seit Dezember 2025 begrenzt die DIN VDE V 0126-95:2025-12 steckerfertige Solargeräte an der normalen Schuko-Steckdose auf 960 Wp Modulleistung. Darüber ist ein Leitungsüberlastschutz vorgeschrieben. Wir haben die Moduleingänge von 26 Mikrowechselrichter-Serien ausgewertet: 20 davon (77 %) nehmen zwei oder mehr Module auf. Mit heute üblichen Modulen von 430–500 Wp liegt eine Zwei-Modul-Anlage bereits bei 860–1.000 Wp — also an oder über der Grenze.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Grenze betrifft die Modulleistung in Wp (DC-Seite) — nicht die Einspeiseleistung in VA. Sie gilt also zusätzlich zur bekannten 800-VA-Regel, nicht statt ihr.
- Zweck laut Norm: Die Hausleitung soll im Dauerbetrieb nicht zu heiß werden, und die Sicherung muss bei einphasiger Einspeisung zuverlässig auslösen.
- Über 960 Wp ist ein Leitungsüberlastschutz nötig — in der Praxis eine Wieland-Einspeisesteckvorrichtung (zulässig bis 2.000 Wp) oder ein zertifiziertes Leitungsschutzsystem.
- Die Grenze hängt an deiner Installation, nicht am Gerät. Dieselbe Speicher-Wechselrichter-Kombination kann mit zwei 400-Wp-Modulen unauffällig und mit zwei 500-Wp-Modulen über der Grenze sein. Deshalb geben wir auf den Kombinationsseiten einen Hinweis und kein Urteil aus.
Warum das fast jede Anlage betrifft
Der entscheidende Punkt ist die Modulentwicklung: Als die Balkonkraftwerke populär wurden, lagen typische Module bei 300–380 Wp — zwei davon blieben klar unter 960 Wp. Heute verkaufte Module liegen bei 430–500 Wp. Damit reißt die gleiche Zwei-Modul-Anlage die Grenze, ohne dass sich am Aufbau etwas geändert hat.
| Moduleingänge | Serien in der Datenbank | Modulleistung bei 430–500 Wp | 960-Wp-Grenze |
|---|---|---|---|
| 1 | 6 | 430–500 Wp | eingehalten |
| 2 | 17 | 860–1.000 Wp | grenzwertig bis überschritten |
| 4 | 3 | 1.720–2.000 Wp | überschritten |
Grundlage: 26 ausgewertete Wechselrichter-Serien mit dokumentierter Zahl an Moduleingängen. Die Modulleistung ist eine Beispielrechnung mit marktüblichen Modulgrößen, keine Herstellerangabe.
Was bisher gerichtlich passiert ist
Die Norm wurde im Frühjahr 2026 erstmals gerichtlich durchgesetzt. Zwei Landgerichte untersagten auf Antrag eines Wettbewerbers den Vertrieb eines steckerfertigen Balkonspeichers, der oberhalb der Schwelle ohne Leitungsüberlastschutz beworben wurde:
- LG Bochum — Az. I-12 O 29/26, Beschluss vom 20.05.2026
- LG Osnabrück — Az. 18 O 117/26, Beschluss vom 27.05.2026
Einordnung: Es handelt sich um einstweilige Verfügungen, nicht um rechtskräftige Urteile. Am 29.07.2026 fand vor dem LG Osnabrück eine Widerspruchsverhandlung statt; eine Entscheidung in der Hauptsache lag zum Stand 2026-08-02 nicht öffentlich vor. Wir geben den Verfahrensstand wieder und bewerten weder einzelne Produkte noch einzelne Händler.
Was du konkret tun kannst
- Rechne deine montierte Modulleistung zusammen — Anzahl Module × Wp laut Typenschild. Das ist die Zahl, auf die es ankommt, nicht die Wechselrichterleistung.
- Unter 960 Wp: Schuko-Anschluss bleibt im Rahmen der Norm.
- Über 960 Wp: Leitungsüberlastschutz einplanen — die Wieland-Einspeisesteckvorrichtung ist der übliche Weg und bis 2.000 Wp zulässig. Installation durch eine Elektrofachkraft.
- Prüfe zusätzlich die 800-VA-Grenze auf der Wechselrichterseite — beide Grenzen gelten unabhängig voneinander.
Für die konkrete Kombination aus Speicher und Wechselrichter findest du den Hinweis direkt auf der jeweiligen Kombinationsseite: komplette Matrix oder Speicher + Wechselrichter wählen.
Quellen
- DIN VDE V 0126-95:2025-12, Abschnitt 4.1 (Leistungs- und Strombegrenzung), gültig seit Dezember 2025
- photon.info zur 960-Wp-Schwelle und den Beschlüssen
- energie-experten.org mit Aktenzeichen und Verfahrensgang
- solarserver.de zur Einordnung der Verfahren
Unsere ausgewerteten Zahlen (Moduleingänge je Serie) sind unter CC BY 4.0 frei nutzbar — bitte mit Quellenangabe „SpeicherMatch, speichermatch.de". Zur Vorgehensweise: Methodik.